Auf dieser Seite teile ich die Entwicklung von Hier gibt es nichts zu sehen: Recherche, Zweifel, Überraschungen, Erkenntnisse und die vielen Schritte auf dem Weg zu einer Aufführung.

In den letzten Monaten habe ich etwas verstanden: Wenn dieses Stück entstehen soll, muss ich seine Autorin sein. Diese Erkenntnis hat sich nicht plötzlich eingestellt. Sie ist aus der Arbeit entstanden. Mit jedem Schritt wächst die Verantwortung und gleichzeitig die Freiheit. Ich entdecke Möglichkeiten, die ich vorher nicht gesehen habe, und frage mich immer öfter, wie viel ungenutzte Kreativität in uns allen steckt.

Das Werkstattwochenende liegt inzwischen hinter uns. Es waren vier intensive Tage, in denen ich vor allem eines gemacht habe: ausprobiert.

Zum ersten Mal habe ich mit Almut Lustig musikalisch gearbeitet. Ich habe mit meiner Geige und dem Akkordeon improvisiert, gesungen und Szenen vertont. Ich habe eine Form des Singens kennengelernt, die weniger von Kontrolle als vom Zuhören lebt. Vor allem aber habe ich zum ersten Mal mit einem Text gearbeitet, den ich selbst geschrieben habe.

Dabei wurde das Schweigen zu einem zentralen Thema. Nicht als Leerstelle, sondern als Ausgangspunkt. Mich beschäftigt inzwischen der Gedanke, dass alles aus dem Schweigen entsteht: Sprache, Musik, Bewegung, Begegnung. Viele der Szenen, die zunächst unabhängig voneinander entstanden sind, haben plötzlich miteinander zu tun. Verbindungen wurden sichtbar, ohne dass ich sie bewusst angelegt hatte. Das Stück entwickelt seine eigene Logik. Und mit ihr taucht dieselbe Frage immer wieder auf: Warum machen wir das alles?

Besonders waren die Begegnungen mit Menschen, die dieses Projekt von Anfang an begleitet haben. Einige haben jetzt zum ersten Mal Material aus der Arbeit gesehen. Es gab Momente großer Freude, aber auch großer Berührung. Nicht, weil etwas fertig geworden wäre, sondern weil sichtbar wurde, dass der Weg trägt.

Für mich war das eine Bestätigung, wie wichtig es ist, die eigene Arbeit ernst zu nehmen. Es ist etwas anderes, an den Projekten anderer mitzuwirken, als die Verantwortung für eine eigene künstlerische Arbeit zu übernehmen. Beides hat seinen Wert. Aber die eigene Stimme zu suchen, ist eine andere Aufgabe.

Ein weiterer wichtiger Moment war die Performance im Museum Europäischer Kulturen. Zwischen den Kleidungsstücken vertriebener Frauen zu arbeiten, ihre Geschichten über Materialien, Spuren und Erinnerungen zu lesen und sie mit meinem eigenen Material in Beziehung zu setzen, hat den Stoff noch einmal erweitert. Ich habe Texte spontan vertont und gemerkt, wie sich meine Fragen mit denen anderer Frauen verschränken. Diese Erfahrung wird in die weitere Arbeit einfließen.

Jetzt werde ich weiter schreiben, sortieren und sehen, wie sich Hier gibt es nichts zu sehen entwickelt.

Ich freue mich, wenn ihr den Prozess weiterhin begleitet. Auf bald.